Über mich
Nicht, weil sich das gut liest – sondern weil ich es immer wieder erlebt habe: In jedem Unternehmen steckt mehr Wissen, als es selbst ahnt. Man muss nur zuhören, verbinden – und den Mut haben, quer zu denken. Genau das versuche ich, jeden Tag ein Stück besser zu machen.
Sabine Nadherny-Borutin
„Es kommt immer anders wenn man denkt.“
Gründerin von nachgedacht e.U. – Beraterin, Netzwerkerin und Übersetzerin zwischen Technik, Wirtschaft und Politik.
1992 begann ich das Studium der Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur Wien. Zwei Jahre später, 1994, traf ich eine Entscheidung, die damals kaum jemand verstand: Ich tauschte Fächer der Lebensmitteltechnologie gegen Fächer der Abfallwirtschaft und Umwelttechnik und kombinierte so organische Chemie, Biotechnologie und Mikrobiologie mit umweltrelevanten Themen – auf den Rat eines väterlichen Freundes hin, in einer Zeit, in der diese Kombination noch ziemlich exotisch war. Bereut habe ich es keinen einzigen Tag.
Mein erster Job führte mich in die Wasser- und Abwasseraufbereitung. Anorganische Chemie war nie meine Stärke – also machte ich Organik und Mikrobiologie zu meinem Trumpf und entwickelte unter anderem ein Klassifikationssystem für fadenbildende Bakterien. Diese Exceldatei bildete später die Grundlage für ein veröffentlichtes Fachposter der TU Wien. Man könnte sagen: Ich habe schon damals gelernt, den roten Faden zu finden – auch wenn er in diesem Fall aus Bakterien bestand.
Danach wechselte ich in ein Familienunternehmen – Großhandel für Floristik und Dekoration – und lebte dort, ganz praktisch, mein im technischen Studium wesentlich zu kurz gekommenes Faible für Marketing und Wirtschaft aus. Wir bauten das Unternehmen von Grund auf neu: Digitalisierung, internationaler Einkauf, neue Vertriebswege, ein Webshop, eigene Kundenevents, eigene Flyer. Marketing und Verkauf wurden zu meiner Spielwiese. Und ich lernte etwas, das mich bis heute begleitet: Wer die Trends erkennen will, die die Zukunft bringt, muss verstehen, wie eine Gesellschaft tickt.
Es folgten Jahre, in denen ich immer wieder bei null anfing – und genau dabei entdeckte, was ich am liebsten mache: etwas aufbauen, das es vorher in dieser Form noch nicht gab. Ich wurde beauftragt, ein Labor für Umweltanalytik aufzubauen – der Weg: von der Gerätewahl, Prozessfindung, Analytik und Berichterstellung bis knapp vor die Beantragung der Akkreditierung. Bei einem Entsorgungsunternehmen in Kärnten übernahm ich anschließend die abfallrechtliche Geschäftsführung, kurz darauf auch die gewerberechtliche Geschäftsführung für Arbeitskräfteüberlassung für einen internationalen Hersteller von Analytik-Geräten. Es folgten Jahre in Forschung und Entwicklung, in denen ich mich zunächst mit Themen wie Klärschlammrecycling, Deponietechnik, Sickerwasser, Baustoffrecycling und Altlastensanierung beschäftigte, sowie bald darüber hinaus mit Kunststoffthemen wie Kunststoff-, Matratzen- und Carbonrecycling, Pyrolyse und vielem mehr. Meine Erfahrung aus der Wasseraufbereitung brachte ich zudem in die Schlackenaufbereitung eines Kollegen ein. Dazu kamen weitere Verantwortungen: als Strahlenschutzbeauftragte, rückbaukundige Person und, für diverse Tochtergesellschaften, als Prokuristin einer Biodieselproduktion aus Altspeiseöl sowie als Geschäftsführerin eines weiteren Umwelttechnik-Unternehmens mit Spezialisierung auf Altlastensanierung und umweltrelevante Themen im Baubereich.
2018 wechselte ich als Lektorin und Forscherin an eine Fachhochschule, Abteilung Verpackungs- und Ressourcenmanagement. Ich initiierte Recyclingprojekte für Kunststoffverpackungen und gab mein Praxiswissen an Studierende weiter – auch das, im Grunde, eine Form von Netzwerk- und Kommunikationsarbeit. Nur mit anderer Generation.
Was mir aus diesen Jahren voller Wechsel und Neuanfänge geblieben ist, ist vor allem eines: ein Netzwerk, das mit jeder neuen Aufgabe und jeder neuen Branche weitergewachsen ist. Es sollte zu meiner größten beruflichen Stärke werden – und genau darauf durfte ich mich verlassen, als 2019 der nächste, größte Sprung kam.
2019 unterzeichnete ich die Verträge mit PlasticsEurope Austria – und gründete dafür nachgedacht e.U., über die ich seither als Consultant arbeite. Der eigentliche Start als Generalsekretärin folgte dann im März 2020, pünktlich zum ersten Lockdown. Ohne Kunststofftechnik studiert zu haben. Ohne einen einzigen Tag tatsächlicher Lobbying-Erfahrung. Dafür mit dem festen Vorsatz, mir das nötige Wissen so schnell wie möglich anzueignen.
Mein starkes Netzwerk aus früheren Jahren war dabei eine gute Basis. Aber in einer neuen Branche, mit neuen Aufgaben, reicht das allein nicht: Man muss sein Netzwerk erweitern und die neuen Kolleginnen und Kollegen auch persönlich kennenlernen – denn über Videocalls allein entstehen keine echten Beziehungen. Genau diese wertschätzende Netzwerkarbeit entscheidet oft über Erfolg oder Misserfolg, über Stärke oder Schwäche. Dass es anderthalb Jahre dauerte, hat den Start ungemein erschwert. Heute genieße ich es, dass daraus sogar Freundschaften geworden sind, die weit ins Private reichen.
Weil ich überzeugt bin, dass sich das Image von Kunststoff nur verändert, wenn man den gesamten Kohlenstoffkreislauf erklärt – vom fossilen oder biogenen Ursprung bis zum Recycling und den Auswirkungen der Verbrennung –, gründete ich 2021 gemeinsam mit einigen weiteren Idealistinnen und Idealisten der österreichischen Kunststoffbranche den Österreichischen Carbon Cycle Circle (ÖCC²): ein branchenübergreifendes Netzwerk entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Gemeinsam mit meiner Kollegin Dr. h.c. Mag. Brunhilde Schramm entwickelte ich dort, in Kooperation mit eccos22, die zertifizierte Ausbildung zum Nachhaltigkeitsmanager. Ende 2024 habe ich mein „Baby“ losgelassen, um wieder mehr Raum für nachgedacht und neue Ideen zu haben – eine der schwierigsten und zugleich richtigsten Entscheidungen der letzten Jahre.
2025 übernahm ich eine weitere, kurzfristig angesetzte, aber herausfordernde Aufgabe – und sie hat mich von der ersten Minute an gepackt: Die Messe Klagenfurt beauftragte mich mit der inhaltlichen Ausrichtung und der Organisation des Fachkongresses der CIRPLEX, der ersten Congressmesse für Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffbranche im Alpen-Adria-Raum – die Ausstellerorganisation lag bei der Messe selbst. Dass ich mir das zutraute, hatte ich nicht zuletzt den Jahren im Großhandel zu verdanken: Kundenevents und Hausmessen zu organisieren, hatte ich dort von Grund auf gelernt – jetzt durfte ich es in einem völlig neuen Rahmen wieder anwenden. So zeigt sich immer wieder, wie vielfältig sich meine Erfahrung einsetzen lässt. Am Ende kamen rund 1.800 Fachbesucherinnen und -besucher aus neun Nationen zu 80 ausstellenden Unternehmen und über 30 Fachvorträgen zusammen. Meine Aufgabe war mit dieser Premiere erfüllt – dank des Erfolges ist die nächste CIRPLEX für 2027 bereits angekündigt.
Neben vielen weiteren solchen zeitlich begrenzten Projekten gibt es aber auch die Aufgaben, die mich schon viel länger begleiten – und die mir nicht einfach zugefallen sind: Jedes einzelne Mandat bedeutet, dass mir Fachwissen, Urteilsvermögen und Verantwortung zugetraut werden – ein Vertrauen, das sich über Jahre aufgebaut hat und das ich alles andere als selbstverständlich nehme.
Heute bin ich unter anderem Vorstandsmitglied des OFI und Sektionsobfrau des Verpackungsinstituts, Vorstandsmitglied des ÖWAV, Mitglied im Beirat des Kunststoffclusters, Mitglied im Fachbeirat der Plattform für Green Transformation & Bioökonomie sowie Vortragende am WIFI, Kooperationspartnerin von eccos22 – und seit August 2026, gemeinsam mit Claudia Legawiec und Michaela Plank, Gründerin des österreichischen Chapters des internationalen Netzwerks Women in Plastics, das Sichtbarkeit, Weiterentwicklung und Vernetzung von Frauen in der Kunststoffbranche fördert.
Es gibt niemanden, der alles weiß – aber in fast jeder Organisation liegt Wissen brach, von dem sie selbst nicht ahnt, dass sie es besitzt. Genau das zu heben, ist meine Leidenschaft: zuhören, verbinden, die richtige Sprache finden, damit aus guten Ideen tatsächlich Veränderung wird.
Nachhaltigkeit ist für mich mehr als ein Wort für Gesetzestexte. Ich verstehe sie wörtlich – als sustain-ability, als Überlebensfähigkeit von Natur, Mensch, Gesellschaft und Unternehmen. Konzerne erfüllen dabei oft nur Auflagen. Eigentümergeführte Unternehmen leben Nachhaltigkeit längst, weil sie wissen: Was sie aufbauen, soll auch die nächste Generation noch tragen. Genau diese Perspektive bringe ich in meine Projekte ein.
Schon Sokrates wusste: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Genauso geht es mir, sobald ich in ein neues Thema eintauche – denn je tiefer man vordringt, desto komplexer, vielschichtiger und interessanter wird es. Am meisten reizt mich dabei, neue Verbindungen zu schaffen: von einer Branche zu lernen und das Gelernte in einer ganz anderen neu anzuwenden. Chemische, physikalische und naturwissenschaftliche Grundgesetze lassen sich schließlich nicht aushebeln – sie gelten überall gleich.
Mein Leben ist eine stetige Weiterbildung.
Hier ein kleiner Einblick:
Diplomstudium Lebensmittel- und Biotechnologie, Universität für Bodenkultur Wien
Governance Excellence – Ausbildungsprogramm zur Aufsichtsrätin, WU Wien (ein Themenfeld, dem ich mich mit besonderem Interesse widme)
Zertifizierte Assessorin für Unternehmensqualität (Excellence), Quality Austria
Lizenz-Lehrgang zur Nachhaltigkeits-Assessorin & Beraterin, eccos22
Gewerbeberechtigung für Unternehmensberatung sowie für Arbeitskräfteüberlassung
Befähigung zur Gewerbeausübung für chemische Laboratorien
Abfallrechtliche Geschäftsführung gemäß § 26 AWG
Ausbildung zur rückbaukundigen Person